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Auswirkungen des E-Business auf die Binnenschifffahrt- IT-Anwendungen sichern die Wettbewerbsfähigkeit

Zur Realisierung unternehmensübergreifender Kooperationen - im Sinne eines kombinierten Verkehrs (siehe Abb. 1) - werden für die reibungslose Darstellung prozessrelevanter Informationen, die vor allem von der Seite der Kunden verlangt werden, innovative Informationssysteme benötigt. Betrachtet man beispielsweise den LKW-Verkehr als Benchmark, so ist festzustellen, dass bereits heute diese und auch andere Branchen mit verschiedenen E-Business-Lösungen ausgestattet sind. Über sogenannte „Tracking & Tracing“-Systeme können beispielsweise Kunden von bestimmten Unternehmen jederzeit einsehen, wo sich ihre Ware aktuell befindet. Durch diese vollständige Informationsgewährung wird der Nutzen des Kunden optimiert und damit auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit des LKW-Verkehrs gegenüber anderen Verkehrsträgern gestärkt. In diesem Zusammenhang wird auch die Binnenschifffahrt, in der vergleichbare logistische Informationssysteme bisher kaum vorhanden sind, vor die Herausforderung gestellt, über innovative IT-Lösungen den Wünschen ihrer Kunden gerecht werden zu können. Hier ist es auch notwendig, dass - sofern es sich um ein vorgelagertes oder nachgelagertes Kettenglied handelt - auch die Bahn bzw. die Spediteure, die bereits seit geraumer Zeit den Einsatz sogenannter Ortungssysteme in der Binnenschifffahrt fordern, als Kunden der Binnenschifffahrt in einer Transportkette betrachtet werden sollten. Eine Kooperation über die Unternehmensgrenzen hinweg wird daher im Bezug auf die Vernetzung der Geschäftsabläufe der Verkehrsträger über das E-Business als sinnvoll angesehen, um die sich ergebenden Erfolgspotentiale in beidseitiger Hinsicht auszuschöpfen.

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     Schnittstellen        Schnittstellen          Schnittstellen        Schnittstellen

 

              

                                                                     

 

  Abb. 1: Gewährung vollständiger Informationen in der Transportkette

Die sich aus dem E-Business ergebenden Vorteile sind gravierend. Zum einen wird auf Grund kontinuierlich aktualisierter Informationen mit einem höheren Auslastungsgrad gerechnet, durch den sich teure Leerfahrten über neue Aufträge zumindest reduzieren lassen; zum anderen können die Prozesse Transportieren, Umschlagen und Lagern wesentlich effizienter abgewickelt werden. In diesem Zusammenhang ist sogar der komplette Wegfall zeit- und/oder kostenintensiver Teilprozesse durchaus denkbar. Darüber hinaus kann die Termintreue, die sich aus der Kundensicht heraus als ein wichtiges Merkmal darstellt, verbessert werden. In diesem Zusammenhang könnten über die Implementierung bereits angesprochener Ortungssysteme die Kunden der Binnenschiffer auf Abruf einsehen, wo sich zu einem Zeitpunkt ihre Lieferung befindet. Damit würde die Binnenschifffahrt ihre eigene Servicequalität erhöhen und folglich die Attraktivität im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern steigern. Des Weiteren lassen sich durch den elektronischen Einkauf (e-Procurement), z. B. von sogenannten C-Teilen (Ersatzteile für Kompressoren, Motor- und Kältetechnik etc.), zwischen den Binnenschiffern und den Lieferanten weitere Kostensenkungspotentiale erschließen. In diesem Bereich wird mit 30% - 60% niedrigeren Kosten gerechnet, die sich durch die Einsparungen (Lean Distribution) seitens der Zulieferer ergeben.

Als problematisch erweisen sich jedoch häufig weniger die Implementierungen technologischer Komponenten, sondern vielmehr traditionelle Denkmuster. Diese traditionellen und häufig inflexiblen Denkstrukturen, die zuweilen auch in der Binnenschifffahrt zum Ausdruck kommen, sind für eine Dienstleistungsbranche in der Regel fatal und führen ein Unternehmen langfristig in den Ruin. Demzufolge werden in der Binneschifffahrt , wie in jeder anderen Branche, nur diejenigen sich langfristig auf dem Markt behaupten können, die ihre Leistung nach den Bedürfnissen des Kunden ausrichten und flexibel und vorausschauend auf deren veränderte Anforderungen agieren. Dies impliziert auch die Implementierung bestimmter Business-to-Business-Lösungen (z. B. Ortungssysteme, Sendungsverfolgungssysteme, e-Procurement, elektronische Auftragsabwicklung über E-Mail etc.), die, wie bereits oben erläutert, zur reibungslosen und zeitsparenden Kommunikation immer unentbehrlicher werden. Werden solche Systeme nicht genutzt, könnte sich die Gefahr der Verschlechterung der eigenen Marktposition im Vergleich zum Wettbewerb ergeben.

Das Forschungsprojekt eBusi-Net befasst sich unter Anderem mit der Analyse der Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt unter dem Gesichtspunkt der Implementierung adäquater Business-to-Business-Lösungen. In diesem Zusammenhang werden innerhalb des Projektes die einzelnen Teilprozesse analysiert und versucht, sie über zweckmäßige Buiness-to-Business-Lösungen zu optimieren.

Prof. Dr. Rainer Leisten
Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Fachgebiet Produktion und Industrie
leisten@uni-duisburg.de

 

Dipl.-Kfm. Ireneusz Kostowski,
Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Forschungsgruppe GTS/L
www.ebusi-net.de
kostowski@aol.com

Erschienen in der Zeitschrift „Schiffahrt und Technik“, 2001, Heft 8, S. 82